Versteckte Hierarchien, Machtspiele und ungeschriebene Regeln – die dunkle Seite der Arbeitswelt

wenn du dich in deinem Job nicht wohl fühlst

Ich habe früh gelernt, dass es in der Arbeitswelt, in der ich war, darauf ankam, gute Miene zu machen.

Zum bösen Spiel:

Rückblende: Meine Praktikantin ist müde, schon die ganze Woche über hat sie nach Feierabend und nachts an ihrer Diplomarbeit gesessen. Bald hat sie es geschafft! Sie freut sich und erzählt mir und unserem Chef, wie aufwändig die letzten Arbeiten sind. Formatierungen, Lektorat, Grafiken – Diplomarbeiten sind trocken 😉 sie erzählt lange davon.

Die Körpersprache meines Chefs ist fast entspannt, wie er da am Türrahmen lehnt. Und doch meine ich, etwas wahrzunehmen. Vielleicht ist es auch einfach nur, dass ich weiß, wie wenig Zeit er immer hat.

Ich frage mich, ob er ungeduldig ist.

Sein Ding, denke ich, immer noch mit diesem seltsamen Gefühl …

Und ich hatte Recht!

„Was erzählt sie denn da so langatmig?“ meint mein Chef später, ihn habe das Gespräch gelangweilt, sagt er mir im vertraulichen Ton: „du würdest ja niemals so viel erzählen. Du hast ein Gefühl dafür, wann es genug ist“.

Eine seltsame Mischung aus Stolz über die Vertraulichkeit und absolute Verwirrung überkam mich.

„Sagen wir hier nicht ehrlich, was wir denken? Ist es schon schwierig, in solch einer kleinen Situation authentisch zu sein?“

Wo war ich da gelandet?

Ich war noch recht frisch im Unternehmen. Und das war mein erster Kontakt mit der Realität. Hatte ich als „Neue“ vorher doch noch eine starke Außenperspektive gehabt, bekam ich nun hautnah mit, wie die ungeschriebenen Regeln der Firma aussahen.

Ich fand sie kompliziert! Und sie lösten in mir eine große Unsicherheit aus, denn mein zweiter Gedanke war:

„Was ist, wenn ich mal nicht merke, was mein Chef gerade will?“

Das war das erste Mal, das ich lernte, was „flache Hierarchie“ auch bedeuten kann. Nämlich eine versteckte Machtstruktur. Und weil niemand drüber spricht, sie nicht transparent macht, musste ich immer auf der Hut sein, um sie zu erspüren, zu erahnen. Das kostete mich eine Menge Energie.

Verstrickt und versteckt – wenn im Job nicht mit offenen Karten gespielt wird

Je nachdem, wie feinfühlig du bist, merkst du schnell, ob es solche „unausgesprochenen“ Regeln und Gesetze gibt.

Tatsächlich stelle ich immer wieder fest, dass gerade die besonders sensiblen Menschen am meisten unter solchen versteckten Strukturen leiden. Einfach, weil sie diese rasch spüren und das meistens für sie auch großen Stress bedeutet.

Je undurchsichtiger die Strukturen in der Arbeit, desto „überlebenswichtiger“ ist es, diese schnellstmöglich zu verstehen. Es ist wie ein Code, den es zu knacken gilt.

Warum dir solche Verhältnisse so zu schaffen machen

Das Besondere an der Arbeitswelt ist ja, dass wir sie uns immer nur zum Teil aussuchen. Es laufen dort dann manchmal Menschen rum, mit denen wir sonst niemals im Leben zu tun hätten. Das kann eine Bereicherung sein – oder eine persönliche Katastrophe.

Denn so paradox das auch ist, selbst wenn wir uns damit schaden – wir versuchen (zumindest zu Beginn), dazuzugehören. Zu den Kollegen, zu den Chefs. Wir wollen gemocht werden!

Genau das ist normal, denn:

Es ist eine der größten Ängste von uns Menschen, nicht dazu zu gehören!

Diese Angst bringt uns dazu, Dinge zu tun, die wir eigentlich nicht wollen. Wir halten an Jobs, Menschen, Verhaltensweisen fest, die uns nicht gut tun.

Wenn dann auch noch eine Existenzangst („ich verliere meinen Job!“) dazu kommt, bist du vollständig blockiert.

Und das verflixte: Meistens erkennst du noch nicht mal, dass es eigentlich Angst ist. Es ist eher diese Verwirrung, die ich oben beschrieben habe:

Ich war schnell nervös, unsicher und es war stets so eine Art „Nebel“ in meinem Kopf. Ich konnte es nicht richtig fassen, was da eigentlich bei mir los war.

Alles ist irgendwie diffus, schwer zu greifen, nicht stimmig für dich?

Das Problem ist: Das ist extrem unangenehm. Also tust du, was wir alle so gut gelernt haben – du verdrängst das.

Oder du denkst – der Klassiker:

Du bist das Problem!?

Beides führt dich nicht zu einer Lösung. Es lässt dich verharren. Deine Gedanken kreisen zwar immer wieder um das Thema, aber die Verwirrung, der Nebel bleibt.

Du bist wie blockiert. Du kommst nicht weiter. Das steigert deinen Stress. Und deine Unklarheit.

Dann ist es Zeit, etwas zu ändern!

Denn deine Verwirrung entsteht höchstwahrscheinlich daraus, dass gerade etwas vor sich geht, dass deinen Werten und Bedürfnissen nicht entspricht. Ja, sogar: dass du gegen sie handelst.

Diese Erkenntnis traf mich vor zwei Jahren wie ein Hammer: Ich versuchte, dieses Spiel in meinem Job mitzuspielen. Ja, ich tat es bereits. Ich war nicht ehrlich. Ich sagte nicht, was ich dachte. Ich handelte nicht, wie ich fühlte.

Da ist eine Menge Scham, wenn ich das schreibe: Ich habe nicht alle mir anvertrauten Menschen fair behandelt. Ich ertappte mich, wie ich im Kleinen das Spiel mit ihnen wiederholte, anstatt ehrlich zu sein.

Ich hatte gegen meine Werte verstoßen, weil ich wirklich gerne dazu gehören wollte.

Ich war so traurig, als ich das feststellte. Und so froh.

Denn endlich wusste ich, was da los war. Genau das brauchte ich, um mich lösen zu können.

Es ging nicht alles sofort. Aber es ging voran. Der Nebel lichtete sich und mit der Klarheit wurde ich immer handlungsfähiger und freier.

 

Und das kannst du auch tun. Du findest unten eine kleinen Fragenkatalog, der dir dabei hilft, zu erkennen, worauf dein ungutes Gefühl in deiner Arbeit gründet:

  • Wo sind deine momentanen Schmerzpunkte im Job, vor denen du deine Augen am liebsten verschließen würdest (oder es auch tust?)?
  • Wann bist du in deiner Arbeit sehr, sehr vorsichtig, deine ehrliche Meinung zu sagen oder einfach spontan zu reagieren?
  • Wo glaubst du, dass du nicht „richtig“ bist oder merkst, dass du gehemmt, blockiert und unsicher bist?
  • Wo gibt es Bereiche in deinem Job, bei denen du dich nicht traust, denkst, dass du gefangen, eingeengt bist?

Wenn du dann noch weiter machen willst, empfehle ich dir das 4-Schritte-Modell. Damit kannst du weitere Klarheit entwickeln, was bei dir gerade los ist – und du kannst auch konkrete Lösungs-Schritte festlegen!

Wichtig: Es kann sein, dass das deinen Leidensdruck vorübergehend etwas erhöht, weil du feststellst, WIE unglücklich du in deinem Job momentan bist. Und dass du gerade nicht daran glaubst, dass du was verändern kannst.

Wenn das so ist, dann warte bis zur nächsten Woche. Dann geht es hier nämlich darum, wie du den Mut zur Veränderungen entwickelst! Auf sanfte Weise, in deinem Tempo mit einer konkreten Anleitung 🙂

Ich freue mich drauf! Bis dann und liebe Grüße,

deine Wiebke

P.S. lies unbedingt auch noch hier weiter:

Gefühle im Job: Warum du dir kein dickes Fell zulegen brauchst – aber warum sensibel sein auch nicht DIE Lösung ist

 

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