Klar sagen, was du willst (und denkst)! So hilft dir Feedback in deiner Arbeit

sag, was du denkst - Feedback richtig nutzen

„Sei ehrlich“, sagte er zu mir und nahm spielerisch die Position eines Boxers in Abwehrhaltung ein. „Sag, was du denkst, ich halte das aus“. In seinem Gesicht sah ich eine Mischung aus Verletzlichkeit und Trotz.

So bat mich vor einigen Wochen ein Kollege um Feedback.

Und mein Herz wurde ganz schwer. Da stand jemand vor mir, der sich wappnet für eine Verletzung. Der davon ausgeht, dass ich ihm ein Feedback gebe, dass wie eine verbale Keule wirkt.

Und der denkt, dass ihm das irgendwas bringt.

Auch ich kenne das. Ja, ich stelle in meiner Arbeit häufig fest, dass es eigentlich jeder kennt:

Feedback-Schmerz. Rückmeldungen, die echt weh tun.

Vermeintliche „Ehrlichkeit“, durch die wir lernen sollen. Aber was denn eigentlich?

Dass Feeback geben und nehmen muss schmerzhaft sein?

Ich habe schon vor langer Zeit aufgehört zu glauben, dass wir durch Schmerz was lernen. Wie soll so Entwicklung passieren? Welche Pflanze wächst, wenn man regelmäßig drauftritt?

Statt durch Feedback zu wachsen, wirst du eher zurecht gestutzt?

Feedback ist wie die heiße Herdplatte: Einmal daran verbrannt, lernst du höchstens, es zu vermeiden.

Deswegen haben auch die meisten echte Hemmungen, ja: Angst vor Feedback.

Damit verschenkst du aber etwas.

Denn Feedback ist mehr als eine Backpfeife.

Gutes Feedback ist ein Werkzeug, das dir mehrfach nutzt:

  1. Um im Job klar zu sagen was du denkst, deine Meinung zu äußern, auch wenn sie unbequem ist, deine Grenzen klar zu machen und dich somit zu positionieren
  2. Um deine berufliche Entwicklung in die Hand zu nehmen aka sagen, was du willst
  3. Um andere Menschen bei ihrer beruflichen Entwicklung zu unterstützen
  4. Um einen ehrlichen UND wertschätzenden Umgang mit Kollegen, Mitarbeitenden, Vorgesetzten und KundInnen zu pflegen

 

Gutes Feedback statt schlechter Erfahrungen

Wenn in deinem Job Feedback selten genutzt wird, bspw nur im jährlichen Mitarbeitergespräch, oder frei nach dem Motto „nicht gemeckert ist schon gelobt“, dann fehlt es dir schlicht an Übung und Erfahrung damit. Vor allem, wenn du bislang Feedback nur bekommen hast, es aber noch nie selbst gegeben hast. Dann ging es dir bislang bei Feedback eher darum, das Ganze irgendwie zu überleben und dabei ein wenig von deiner Würde zu wahren?

Doch das geht auch anders! Oder eher: Gutes Feedback geht anders!

Feedback ist ein wichtiges Werkzeug, mit dem du aktiv dafür sorgen kannst, dass es dir in deinem Job gut geht.

Es ist sogar eines DER Tools, die du nutzen kannst, um deine Arbeit so zu gestalten, dass sie dir entspricht!

Denn: Nicht immer musst du deinen Job kündigen, wenn du unzufrieden bist!

Ja, ich empfehle dir sogar, erstmal zu prüfen, was du ändern kannst. Darin stecken gute Entwicklungschancen: Du lernst immer mehr, deine Meinung zu sagen und für dich einzustehen.

Und du lernst, dass du tatsächlich was verändern kannst: Ein gutes Gefühl!

 

Der häufigste Irrtum bei Feedback

Wenn du jemanden Feedback gibst, dann meldest du der Person zurück, wie DU sie siehst. Es ist DEINE Perspektive, es ist dein höchst subjektiver Blickwinkel. Du beurteilst die Person aufgrund DEINER Erfahrungen, Werte und Einstellungen. Mach dir das unbedingt bewusst – auch als Feedbacknehmerin:

Feedback ist nicht die absolute Wahrheit, sondern immer eine individuelle Meinung!

Und eine solche Meinung kann auch sehr schnell zu einem Urteil werden: „du bist so und so“. Von daher ist es wichtig, im Hinterkopf zu behalten, dass dies nur EINE Meinung ist – und dass diese zuweilen auch unreflektiert sein kann.

Feedback hat IMMER mit dem Feedbackgeber zu tun – und manchmal lässt genau das tief blicken.

Das lässt sich schon schnell daran erkennen, mit welchen Gefühlen du Feedback gibst. Sind es starke Emotionen wie Ärger, Groll, Abscheu? Dann zeigt dass, das bei DIR gerade etwas ausgelöst wurde. Hat dich bspw jemand mitten im Satz unterbrochen, kann es sein, dass dich das auf die Palme bringt und du sofort denkst „wie unhöflich!“, während andere diese Unterbrechung noch nicht einmal bemerken würden.

Sind bei dir starke Gefühle ausgelöst, dann ist es wichtig, dass du dich vorab klärst, bevor du einfach deine Wut (oder auch Schmerz) auf dein Gegenüber ablädst.

Du lebst in deiner eigenen Welt – dein Gegenüber auch?

Genauso wie du als Feedbackgeberin alles durch deine Brille betrachtest und filterst, genauso wirst du alles, als Feedbacknehmerin durch deinen Filter aufnehmen. Auch hierbei springen deine Erfahrungen, Werte und Einstellungen an – genauso wie Glaubenssätze und Selbstzweifel.

Du kennst das bestimmt: Egal, was du alles Positives von deinem Gegenüber hörst – die kritischen Rückmeldungen landen viel, viel tiefer.

Ich konnte mich zB früher nach Feedbackgesprächen immer nur wenig an die positiven Dinge erinnern, aber SEHR gut an das, was als „Stolperstein“ gesehen wurde.

Das hat zum einen mit unserer Wahrnehmung zu tun: Wir Menschen sind darauf gepolt, Gefahren schneller zu erkennen und darauf zu reagieren. Und es geht auch mit unseren negativen Feedback-Erfahrungen einher.

Und da ist er wieder: Der Feedback-Schmerz.

Genau das verursacht, dass kaum jemand ohne Herzklopfen oder Schweißausbruch ins Feedbackgespräch geht.

Feedback ist keine Frage von „wer hat was falsch gemacht“ oder „wer hat Schuld?“.

„Ok, dann lassen wir die schwierigen Rückmeldungen einfach weg und loben ganz viel, oder?“

 

Warum loben auch nicht besser ist – die 4 Gefahren von Lob

1. Lob ist nicht Wertschätzung:

Es gibt einen Unterschied zwischen Lob und Wertschätzung. Lob bezieht sich auf das Ergebnis („Mensch, das Projekt hast du aber super abgeschlossen!“). Lob gibt es also nur bei Erfolg. Wertschätzung bezieht sich auf den gesamten Einsatz („Wow, du hast dich für das Projekt echt reingekniet, und dir ganz neues Wissen erschlossen!“).D.h. ich kann Wertschätzung unabhängig vom Erfolg ausdrücken – sehr wichtig, gerade im Umgang mit Fehlern und beim Lernen!

2. Lob als Taktik:

Kennt noch jemand das „Feedback-Sandwich“? Bei dieser Technik wurde erst ein positives, dann ein negatives und dann wieder das positive Feedback gegeben. Wie das dann endete, ist klar, oder? Es wurde dann händeringend nach irgendwelchen positiven Rückmeldungen gesucht, um das eigentliche, negative Feedback geben zu können. Statt klar heraus zu sagen, was man denkt, wurde alles „überzuckert“. Logisch, dass man sich als Empfängerin da nicht ernst genommen fühlt, oder?

3. Lob kann genauso schmerzhaft sein, wie eine kritische Rückmeldung:

Denn es schränkt dich ein. Es macht eine Schublade auf: „Du bist so gut im Organisieren“ wenn man dir das oft genug sagt, dann lenkt das den Blick genau darauf. Du wirst dann immer mehr wahrgenommen, als die, der man die ganze (lästige) Organisierei übergibt – unabhängig davon, ob du das willst – und ob es überhaupt stimmt! Denn Lob kann eine lenkende Wirkung haben: Die positive Reaktion auf ein bestimmtes Verhalten kann dieses verstärken. Logisch, denn wir alle wünschen uns Resonanz und freuen uns, wenn unser Verhalten von anderen als angenehm empfunden wird.

4. Lob macht abhängig:

„Das hast du aber toll gemacht!“ diesen Satz hören kleine Kinder oft. Studien zeigen aber: Wenn jedes Bild, dass sie gemalt haben, jeden Baum den sie erklettern, mit überschwänglichem „Superspitzenklasse!“ begleitet wird, dann demotiviert sie das! Denn die Kinder beginnen dann, ihre eigene innere Freude über das selbst Erreichte gegen die Bestätigung von außen zu tauschen. Intrinsische Motivation (Antrieb von innen) wird extrinsisch (von außen getrieben). D.h. die Kinder brauchen dann immer jemanden, der über ihr Handeln und Verhalten urteilt. Auch im Erwachsenenalter. Lob erfolgt dann meist „von oben nach unten“ d.h. Vorgesetzte loben Mitarbeitende. Wertschätzung dagegen passiert auf Augenhöhe.  Und da verlierst du einfach an Augenhöhe und Unabhängigkeit, wenn es immer eine Bestätigung von außen braucht.

 

 „Ääähh, also ich, ähm, finde, dass du, öh, …“ – wie du gutes Feedback gibst und nimmst

Ich empfehle dir, gerade zu Beginn, das 4-Schritte-Modell der GFK nutzen. So kannst du erstmal für dich klären, worum es dir geht, was genau du eigentlich sagen willst und ob es eventuelle „Trigger“ bei dir gibt, die du dir vorab anschauen solltest.

Ansonsten kannst du das hier tun:

Als Feedbackgeberin:

  1. Prüfe, ob du wirklich in der Lage bist, jetzt ein gutes Feedback zu geben: Bist du bspw in Rage und würdest aus der Wut heraus ein Feedback geben? Mach dir bewusst, was genau da bei dir anspringt und was davon ein Hinweis ist, dass du dich individuell darum kümmern solltest.
  2. . Kläre, was du mit dem Feedback für dich erreichen möchtest: Willst du etwas verändern, etwas klären, sagen, was du auf dem Herzen hast usw?
  3. Kläre, was du mit dem Feedback erreichen möchtest
  4. Frag die Person, ob sie überhaupt ein Feedback von dir haben möchte.
  5. Sprich von dir (und nicht von „man“) und deinen konkreten Beobachtungen: Was hat die Person genau getan? Keine Verallgemeinerungen und Interpretationen
  6. Hab im Hinterkopf, dass du als Feedbackgeberin deine Meinung sagst, und nicht die Wahrheit
  7. Halte keine Monologe und endlose Vorträge, achte darauf, dass die Person dir folgen kann

Als Feedbacknehmerin:

  1. Prüfe, ob du wirklich in der Lage bist, jetzt ein Feedback zu bekommen. Bitte darum, das Gespräch zu verschieben, wenn du merkst, dass du gerade zu aufgewühlt, zu sensibel dafür bist. Es ist auch absolut ok, dein Gegenüber zu unterbrechen, wenn du im Gespräch erst merkst, dass es dir dabei nicht gut geht. Sei achtsam dafür, wo du in den alten „Feedback-Schmerz“ zurückfällst und du eine „Überlebenshaltung“ einnimmst
  2. Überlege dir vorher (wenn möglich) ob es Dinge gibt, die du dir von dem Gespräch wünschst. Vielleicht eine Rückmeldung zu einem bestimmten Thema, oder auch zu der Art und Rahmen des Feedbacks.
  3. Höre aufmerksam zu, aber unterbrich, wenn du merkst, dass du den Faden verlierst, etwas nicht nachvollziehen kannst oder sonstwie ein dringendes Anliegen hast
  4. Frag nach konkreten Beispielen, damit du genau weißt, was dein Gegenüber meint
  5. Bitte um Rückmeldungen auf die Dinge, die dich interessieren, bspw. bestimmte Entwicklungsfelder, an denen du sowieso gerade arbeitest. Falls du von dieser Person schon mal ein Feedback bekommen hast: Frag doch auch nach Veränderungen, so kannst du erfahren, ob deine bisherige Entwicklung auch deiner Feedbackgeberin aufgefallen ist – oder du machst sie zumindest darauf aufmerksam J
  6. Achte darauf, ob du dich rechtfertigst
  7. Sei dir bewusst, dass das Feedback immer mit der Geberin zu tun hat
  8. Kläre, was von dem Feedback für dich passt, was nicht, und wo du noch Rückfragen hast

 

Ansonsten gilt: Üben 🙂 fang damit an, immer öfter bewusst Feedbacks zu geben, wenn du etwas auf dem Herzen hast. Und beginne nicht gleich mit den schwersten Rückmeldungen, sondern starte leicht, bspw. erstmal mit Wertschätzung. Davon können wir Menschen ja sowieso nie genug hören! Und es wirkt sich auch auf dich aus: wenn du häufiger wertschätzst, wirst du auch eher von anderen Anerkennendes hören.

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Viel Vergnügen!

Deine Wiebke

 

 

 

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